Die Macht des Kundenzugangs am praktischen Beispiel des Umzugs von Daten aufs neue Smartphone [Gatekeeping]

Während vor nicht allzu langer Zeit Unternehmensbewertungen durch Umsatz- und Absatzzahlen von physischen und digitalen Produkten bestimmt waren, so steigt in der GaFa-Ökonomie der Wert des Kundenzugangs immer weiter an und wird zur neuen Kenngröße der Unternehmensbewertung mit der allgegenwärtigen Frage: „Wem gehört der Kunde und wer hat die Kontrolle über ihn?“

Ohne Migrations-Software geht nichts mehr

Grau ist alle Theorie, daher soll anhand des nachfolgenden Umstiegs von einem Samsung Galaxy S6 Smartphone auf den Nachfolger Galaxy S7 demonstriert werden, wie insbesondere Google und Samsung Ihren Kundenzugang ausspielen. Konkret geht es darum, dass die Inbetriebnahme eines neuen Smartphones ohne die komfortable Übertragung von den Daten und Einstellungen des alten Gerätes  unter Nutzung von Datenübertragungs-Tools der Hersteller (im konkreten Fall Samsung Smartswitch) de facto nicht mehr in vertretbarem Ausmaß zu schaffen ist. Dies liegt u.a. daran, dass Smartphones die Zentrale unseres täglichen Alltags geworden sind und immer mehr Dienste und Services per APP genutzt und administriert werden. Die Personalisierbarkeit der steigenden Anzahl von „Komfort-Funktionen“ der OS/ Betriebssysteme Android und iOS führt zusätzlich dazu, dass die Relevanz und damit die Verwendungshäufigkeit einer automatischen Übertragung vom alten zum neuen Smartphone steigt.

Löschen von APP-Shortcuts von Startbildschirmen

Im konkreten Beispiel nutzt Samsung als Gerätehersteller offenbar den Umstiegs-Prozess vom alten zu neuen Smartphone mittels „Samsung Smartswitch“ bewusst aus. So verschwinden einige APPs von den Startbildschirmen des neuen Smartphones und dass trotz aktivierter „Startbildschirm“-Übernahme. Insbesondere ist auffällig, dass konkurrierende Services wie z.B. Dropbox oder Facebook verschwinden. Ein im Sinne des Nutzers gedachtes bewusstes Löschen von APP-Shortcuts anhand der Nutzungshäufigkeit oder Relevanz kann im Konkreten Falle als Grund der Löschung ausgeschlossen werden. Anzumerken ist hier, dass die Shortcuts der betroffenen Anwendungen vollständig von allen Startbildschirmen und nicht nur vom Home-Screen gelöscht wurden. Da nach einem Umzug die jeweiligen APPs erst neu eingerichtet werden müssen, bevor sich diese per Notifications bemerkbar machen können, kann dieses Vorgehen seitens Samsung dazu führen, dass bestimmte APPs am neuen Smartphone durch unaufmerksame Nutzer nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Löschen von Shortcuts technisch bedingt?

Vereinzelt konnte man in der Vergangenheit lesen, dass wohl derlei „fehlgeschlagene Übernahmen“ von APPs technisch bedingt waren. Dies betraf jedoch v.a. das komplette Entfernen (Deinstallation) von APPs aufgrund Inkompatibilität. Insbesondere bei Versionssprüngen (altes Smartphone Android 3 – neues Smartphone Android 4) war dies plausibel. Im nun festgestellten Fall (altes Smartphone Galaxy S6 mit Android 6.0.1 – neues Smartphone Galaxy S7 mit identischem Android 6.0.1) sind jedoch ausnahmslos alle APPs auf dem neuen Gerät weiterhin vorhanden. Lediglich die Shortcut-Verknüpfungen am Startbildschirm wurden absichtlich gelöscht, bzw. nicht mit übertragen.

Folgende APPs verschwanden von den Startbildschirmen des neuen Smartphones:

  • Dropbox (Anmerkung: Hier fällt sofort nach Inbetriebnahme die Kooperation von Samsung mit Microsoft „Onedrive“ auf. Dem Nutzer werden 100GB Cloud-Speicher kostenfrei für 2 Jahre angeboten. Zusätzlich gibt es die bekannte Dropbox-Smartphone-Funktion „Upload von Fotos & Videos“ nun auch mit Onedrive. Vor ca. zwei Jahren gab es eine ähnliche Kooperation mit Dropbox in Form einer mit 50 GB kostenfreiem Cloudspeicher für 2 Jahre.)
  • Facebook
  • Facebook Messenger
  • Facebook Seitenmanager
  • Facebook Gruppen
  • Instagram
  • Spotify
  • feedly
  • BeyondPod (Podcast APP)
  • shopkick (Lokale Gutscheine)
  • Whatsapp
  • SIMSme
  • Signal
  • Wetter Online
  • Amazon
  • Amazon Kindle
  • Amazon Apps
  • Spiegel Online
  • Heise
  • idealo Preisvergleich
  • Shazam
  • mydealz
  • Fundbuero
  • PlanMaker Mobile Free (Präsentations APP)
  • Photo Studio PRO
  • QR & Barcode Scan
  • Barcode Scanner
  • Folder Player (Musikplayer)
  • Number26 (Banking APP)
  • Trello
  • SPORT1 Video

Bei den folgende APPs blieben die Verknüpfungen hingegen erhalten:

  • „Standard“ Google APPs (Internet – Standard Browser, Kamera, S Planner (Kalender), Galerie, Einstellungen, Google Maps, Hangouts, Youtube, Google Drive, Play Spiele, Play Filme, Play Musik, Chrome, Gmail, Eigene Dateien,)
  • Google Cardboard
  • Rechner
  • Snapchat
  • Netflix
  • PowerPoint
  • Word
  • BR Mediathek
  • ZDF
  • TOMTOM Blitzer
  • Agrar Wetter
  • Telegram
  • About You
  • Slack (Team Kollaboration)

Fazit

Insbesondere der aktive Wegfall der journalistischen Inhalte Spiegel Online und Heise ist kritisch zu bewerten, zumal wohl die neue upday-Content Plattform für aggregierte Nachrichteninhalte (Kooperation von Samsung mit Axel Springer) fest an einem zusätzlichen und prominent platzierten Startbildschirm verankert wurde. Neben Amazon kommen v.a. die Angebote von Facebook inkl. Instagram nach der Datenübernahme schlecht weg. Sämtliche Shortcuts wurden hier entfernt. Auch Spotify als direkter Konkurrent zu Googles „Play Music“ verschwand spurlos.

Diese beispielhafte Betrachtung zeigt, wie Gatekeeper wie Samsung & Google in der täglichen Praxis in diesem Fall Einfluss auf das APP-Nutzungsverhalten (Onedrive statt Dropbox, GooglePlay statt Spotify) von Smartphone-Usern nehmen. Es ist daher zu erwarten, dass sich der Kampf um den Kundenzugang und die langfristige Kontrolle weiter verschärfen wird. Gerade das Beispiel Dropbox muss mit Spannung verfolgt werden. Hier wird sich zeigen ob die Lock-In-Effekte, aufgrund des Verbreitungs-Vorsprungs von Dropbox, die steigenden Gatekeeping-Einflüsse durch Samsung und Google überwiegen.

Recommended Posts

Kommentar verfassen