Kritik an Zukunftsfähigkeit von DVB-T2 – Hardwarekauf meiden!

Eine kurze Recherche im Netz zeigt, dass sich nur wenige Medien mit der Sinnhaftigkeit, dem Nutzen und Mehrwerten von DVB-T2 befassen. Im folgenden möchte ich daher darstellen, warum DVB-T2, bzw. das terrestrische Fernsehen keine Zukunftstechnologie in seiner derzeitigen Form ist und warum sich diese Empfangsart auf lange Sicht nicht durchsetzen wird.

Ein persönlicher Blick zurück

Meine ersten persönlichen DVB-T Erfahrungen habe ich ca. anno 2009 ich auf Zugreisen im ICE gesammelt. Doch ab 140 km/h hatte der DVB-T-Receiver (Web & TV Stick), der per USB an das Notebook gekoppelt war, schon größere Empfangsprobleme. Streaming über das Mobilfunknetz in der Prä-LTE Ära – von Störungsfreiheit ganz zu Schweigen – war damals de facto nicht möglich, was DVB-T in dieser Anwendung quasi alternativlos machte. Technologie und Gewohnheiten ändern sich aber zunehmend. Daher sollten die folgenden Vor- und Nachteile von DVB-T2 unbedingt vor einer (langfristigen) Investition in entsprechende Geräte bekannt sein.

 

Die Nachteile von DVB-T2 gegenüber IPTV, Streaming und DVB-S2 (Satelliten-Empfang)

Kostenpflichtig

Private Sender sind nur zur Einführung bis Anfang 2017 kostenfrei und danach (auch nicht in SD-Qualität) überhaupt nicht mehr kostenfrei empfangbar. Daher kann man durchaus von einem Köderangebot sprechen. (Übersichtsplan zur Einführung)

Beschränkte und unklare Senderauswahl

Die Programmauswahl bei DVB-T2 hängt im jeweiligen Sendegebiet von den Belegungsvorgaben der zuständigen Landesmedienanstalt, von Entscheidungen der Programmveranstalter und des Plattformbetreibers ab. Viele Finger verderben den Brei. Konkret bedeutet dies, dass niemand dem Fernsehzuschauer garantieren kann, dass er – beispielsweise bei einem Umzug – auch weiterhin alle seine gewohnten Sender störungsfrei empfangen kann.

DVB-T2 nicht auf Smartphones verfügbar

Die Bedeutung von Smartphones und „mobile first“ steigt im Alltag immer weiter. Und auch wenn bis dato der Großteil des TV-Konsums zuhause stattfindet, so ist aktuell am Markt kein Smartphone erhältlich, dass DVB-T2 empfangen könnte. Zwar existiert ein DVB-T2 Lite – Standard zum Empfang von DVB-T2 Signalen mit kleineren Receivern für einen stromsparenden Empfang. Der Verbreitung in der Masse wird dies nichts nutzen. Exoten wie das DVB-T Handy von LG werden auch bei DVB-T2 die Ausnahme bleiben.

Separate Hardware – DVB-T2 Receiver

Zwar ist DVB-T2 europaweit genormt, dennoch sind die Einführungszeiträume in jedem Land unterschiedlich, was dazu führt, dass nicht alle TV Hersteller Geräte mit integriertem DVB-T2 Receiver anbieten werden.

DVB-T2 – Unidirektionale Kommunikation ist eine Sackgasse

Während beim Streaming über IPTV, bzw. über das Internet im Generellen aktuell bereits interaktive Inhalte möglich sind, ist bei DVB-T2 ebenso wie bei DVB-S2 (Satelliten-Empfang) kein Rückkanal von Informationen oder Steuerungsfunktionen gegeben, was den größten Nachteil gegen über IPTV darstellt. Mit fortschreitender Entwicklung wird diese technologische Lücke zwischen „dummen“ TV und intelligenten Medieninhalten (Virtual Reality, etc.) immer größer und deutlicher werden. Die Entwicklungs-Möglichkeiten und Potentiale, die eine Kommunikation in beide Richtungen ermöglicht, sollten bereits jetzt nicht unterschätzt werden.

 

Vorteile von DVB-T2

Kein großer Installations-Aufwand: Je nach Aufstellungsort ist der Empfang von DVB-T2 theoretisch in jedem Raum durch Anschluss einer evtl. bereits vorhandenen Zimmer Antenne (identisch DVB-T) möglich. Doch wie bei allen Strahlen-Empfängern kann das Signal durch Interferenz und Abschirmung geschwächt, bzw. gestört sein.

Kein Datenvolumen: DVB-T2 ist im Gegensatz zum Streaming keinen Datenmengen unterworfen. Sollten die Internetprovider einheitlich die Einführung von Fair-Use-Regelungen auch im Festnetzbereich vorantreiben, wäre dies ein echter Mehrwert von DVB-T2.

 

VideoOnDemand und Streaming/ IPTV gerhöt die Zukunft

Dem Empfang von TV-Signalen über das Internet gehört die Zukunft. Die Programmauswahl im Internet ist langfristig weniger reguliert und der Aufwand für Privatpersonen und Unternehmen als Sender aktiv zu sein, ist wesentlich geringer (siehe Youtube Stars – Youtube Kanäle), als dies bei DVB-T2, bzw. bei allen klassischen TV-Sendern der Fall ist. Schon heute haben Live-Streaming Angebote die TV Vielfalt überholt. Zieht man die ständige Verfügbarkeit von VideoOnDemand Inhalten hinzu, so reduziert sich der TV-Anteil an allen für Endkonsumenten verfügbaren Videoinhalten auf unter 1%. Insbesondere der Komfort und die Bequemlichkeit von VideoOnDemand, d.h. nach Bedarf wird dazu beitragen, dass sich das klassische TV in bestimmte Bereiche zurückziehen, wie Live-Sport zurückziehen wird. Insbesondere, da der Empfang von TV Inhalten auch über das Internet möglich ist und dieses in jedem Haushalt ohnehin vorhanden ist, sind zur Nutzung von VoD Inhalten i.d.Regel keine großen Investitionen notwendig. Neue Player wie Netflix oder Amazon Instant Video treiben beschleunigen diesen Trend ebenfalls erheblich.

 

Sinnvolle Alternative zu DVB-T2: Der SAT-Empfang (DVB-S2)

Vor allem der Zwang zum kostenpflichtigen Empfang der privaten Sender (RTL, ProSieben, Vox, RTL2 etc.) in HD bei DVB-T2 wird den Blick der Mehrheit der Bevölkerung auf günstigere Alternativen richten, denn bei DVT-T2 können private Sender nicht kostenfrei in SD-Qualität empfangen werden, wie dies beim SAT-Empfang der Fall ist. Da seit längerem auch die Empfangstechnik kompakter und ansehnlicher geworden ist (siehe Flachantennen), ist der kostenfreie Sat-Empfang, der nach neusten Urteilen nun auch in Mietswohnungen (Aufhäng an Balkon erlaubt) möglich ist, dem kostenpflichtigen DVB-T2 hinsichtlich der folgenden Vorteile vorzuziehen:

  • Größere Programmvielfalt als bei DVB-T2
  • Einheitliche Programmstrukturen mind. je Land
  • Empfang von internationalen Programmen aus anderen Ländern (Türkei) möglich
  • DVB-S2 bereits schon seit längerer Zeit in jedem gängigen TV-Gerät integriert
  • Störunempfindlich nach einer ersten Einrichtung

 

FAZIT

In einzelnen Anwendungsfällen hat die Empfangsart DVB-T2 gewisse Vorteile (Camping, mobile Empfangs-Szenarien). Diese Nischen-Bereiche werden aber zu keiner umfangreichen Verbreitung führen, sodass erwartet werden kann, dass auch DVB-T2, ähnlich wie beim DVB-T – Standard, nicht erst in 10 Jahren, sondern bereits früher abgeschaltet werden wird. Vor einer Investition in Geräte-Hardware zum Empfang von Informationen in nur eine Richtung mit festen Sendezeiten,… muss daher abgeraten werden. So lange das klassische TV-Programm noch von Relevanz ist, ist klar der SAT-Empfang (DVB-S2) die richtige Wahl.

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Comments
  • Ben
    Antworten

    Sehr interessante Ansicht! DVB-T Receiver sind ja nach wie vor auch noch aktuell sehr gefragt. Aber ich kann mit deinen Punkten auf jeden Fall übereinstimmen

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