Wie E-Mail-Provider SPAM-Mails gewinnbringend nutzen (könnten)

E-Mail SPAM (Wikipedia) ist kein neues Problem. In regelmäßigen Abständen beschäftigen sich unterschiedliche Institutionen (z.B. Ruhr-Uni) und Medien mit dem Problem der wachsenden Anzahl an verschickten SPAM-Mails. Eine Hauptursache von SPAM ist schlicht und einfach die konstant starke Stellung der E-Mail aufgrund der starken und global Bedeutung, sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext (Siehe Wachstums-Statistik). Zwar bekommt die E-Mail als Login-Schlüssel durch Facebook, Twitter und andere Portale auf der Einen, und durch Messenger wie z.B. Whatsapp, Viber oder wechat auf der anderen Seite global gewichtige Konkurrenz. Die Relevanz von E-Mails und damit E-Mail-Adressen ist jedoch nach wie vor bemerkenswert hoch. So lange es die E-Mail gibt, wird es somit immer ein SPAM-Problem geben.

Statistik: Anzahl der jährlich versendeten E-Mails (ohne Spam) in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2014 sowie eine Prognose für 2015 (in Milliarden) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

 

Die aktuellen Umfragen zur Nutzung von E-Mail Anbietern zeigen darüber hinaus deutlich, dass United Internet mit Ihren „E-Mail-Marken“ GMX und WEB.de  der unangefochtene Marktführer ist. Insbesondere durch den Zusammenschluss der bereits im Jahr 2005 stattfand, besitzt die United Internet AG eine defacto marktbeherrschende Stellung.

Lock-in-Effekt bei E-Mail Adressen

Auf den ersten Blick überrascht, dass in der obigen Statistik keine große Dynamik zu sehen ist. Diese Tatsache ich jedoch nachvollziehbar, wenn man sich die Bereitschaft zum Wechseln einer E-Mail Adresse näher betrachtet. Diese ist nämlich äußerst gering, da ein Wechsel der eigenen E-Mail Adresse an verschiedenen Stellen und Kommunikationsschnittstellen einen extrem hohen Aufwand bedeuten würde.

  • Login bei unzähligen Online-Services (über die Jahre hinweg) wie z.b. Banken, Sozialen Netzwerken, Onlineshops
  • Die eigene Adresse wurde aktiv und passiv an eine große und nicht zu überblickende Anzahl an Kontakten weitergegeben
  • Die Autovervollständigungs-Funktionen von PC- und mobilen Browsern verstärken diesen Effekt zusätzlich

 

Geräte zum Empfang von E-Mails

  • PC-Software (z.B. Outlook)
  • Zentrale E-Mail APP (Eine APP in der sämtliche privaten und beruflichen Konten eingerichtet werden)
  • Separate Mail-APP direkt vom Mail-Anbieter (GMX Mail APP, GMail APP, etc.)
  • Webmail-Zugang über Browser

 

SPAM führt zur Notwendigkeit von SPAM-Filtern

Zugegeben, es gibt auch vereinzelte Möglichkeiten und Wege, um SPAM-E-Mails als Empfänger etwas positives abzugewinnen. Doch die Mehrheit des über die Jahre wachsenden SPAM-Aufkommens ist generell als negativ zu bewerten. SPAM begegnen Softwarehersteller mit Software-Filtern, sog. SPAM-Filtern in E-Mail Programmen (z.B. Microsoft Outlook) oder direkt beim „Hoster“ der E-Mail-Adressen (z.B. bei Mail Providern wie GMX, Web.de). Auch bieten diverse Drittdienstleister verschiedene Tools und Programme zur Mail-Client unabhängigen lokalen SPAM-Filterung an.

 

Restriktive „Spamverdacht-Filter“ steigern den Traffic auf den Seiten der Mail-Anbieter

Die Spamfilter wurden als Gegenmaßnahme entwickelt, um Nutzern möglichst viele SPAM-E-Mails vom Leibe zu halten. Die Optimierung der Erkennung von SPAM ist per Definition jedoch nicht ohne Fehlalarme, d.h. fälschliche Zuordnungen von validen E-Mails in einen Spamverdacht-Ordner möglich. Die Restriktivität, mit der ein E-Mail Provider alle eingehenden E-Mails auf SPAM überprüft, wird von dem jeweiligen Anbieter und deren Gate-Keeper-Position definiert. Die folgenden Beobachtungen lassen ein absichtliches Übersteuern der Restriktivität der SPAM-Erkennung vermuten, welches jedoch noch nicht empirisch belegt ist.

Seit November 2015 konnte ich in meinem Bekanntenkreis die Erkenntnis validieren, dass die Spamfilter-Einstellungen dahingehend verändert wurden, dass plötzlich seit Jahren bekannte und auch häufig kontaktierte E-Mail-Adressen beim Empfang in meinem E-Mail-Konto im Spamverdachts-Ordner landeten. Dabei nutzten alle Absender private E-Mail-Adressen ohne außergewöhnliche Formatierungen. Als Konsequenz surfe ich nun, da via Outlook keinen direkten Zugriff zum Spamverdacht-Ordner habe, regelmäßig auf die Webseite www.gmx.de. Hierdurch generiere ich Klicks und Traffic und nicht selten, lese ich einen kurzen Artikel oder betrachte ein interessant anmutendes Video. Das Ergebnis:

E-mails die fälschlicherweise (ob absichtlich oder nicht) als SPAM eingestuft werden, führen direkt zu Traffic und damit Einnahmen auf Seiten der E-Mail Provider.

 

Dieses Problem konnte ich bei Googlemail-Adresse nicht feststellen. Im Gegensatz zu den Werbe-Portalen gmx.de und web.de blendet Google keinerlei Werbeanzeigen im E-Mail-Konto ein und könnte durch eine absichtliche Falschkategorisierung von E-Mails zu SPAM-Verdacht keine Einnahmen generieren.

FAZIT – Können Sie dies bestätigen?

Es liegt mir fern GMX.de oder WEB.de zu diesem Zeitpunkt ohne belastbare Zahlen Absicht bei der SPAM-Erkennung zu unterstellen. Vielmehr soll dieser Artikel für dieses heikle Thema, dass die Mehrzahl aller E-Mail Nutzer weltweit betrifft sensibilisieren.

Haben auch Sie Veränderungen an den Einstellungen des SPAM-Filters Ihrers E-Mail Providers festgestellt? Ich würde mich sehr über Ihren Kommentar am Ende dieser Seite freuen. Oder melden Sie sich in anonymer Form bei mir.

 

[Update]

Konkret hat mich GMX aus einer privaten Mail-Konversation gerissen. Zunächst geht man ja vom Stress des Gesprächspartners aus. Die Antwort-Email lag jedoch für 20 Tage im SPAM-Filter, was ich auch nur zufällig durch eine Nachfrage-Mail bemerkt habe. Ich beobachte weiter…

Recent Posts

Kommentar verfassen